Optrel E3000 Atemschutz

Atemschutz beim Schweißen: Welche Atemschutzmaske ist die richtige?

Beim Schweißen entscheidet nicht allein das Verfahren darüber, welcher Atemschutz geeignet ist. In der Praxis unterscheiden sich die Belastungen je nach Werkstoff, Zusatzwerkstoff, Beschichtung, Arbeitsumgebung und Wirksamkeit der Absaugung deutlich. Deshalb lässt sich die Frage nach der richtigen Atemschutzmaske nicht pauschal mit „FFP3“, „P3“ oder „Gebläseatemschutz“ beantworten.

Ausgangspunkt ist vielmehr die Gefährdungsbeurteilung der konkreten Tätigkeit. Dieser Artikel zeigt, welche Belastungen beim Schweißen auftreten können, welche Atemschutzlösungen grundsätzlich infrage kommen und nach welchen Kriterien sich eine geeignete Lösung auswählen lässt.

Optrel e3000 Atemschutzsystem

1. Warum Atemschutz beim Schweißen notwendig sein kann

Beim Schweißen können sowohl partikelförmige als auch gasförmige Gefahrstoffe entstehen. Schweißrauch bezeichnet die feinen Partikel, die sich im Arbeitsbereich verteilen. Daneben können Gase wie Ozon, Stickoxide oder Kohlenmonoxid auftreten. Für die Auswahl des Atemschutzes ist diese Trennung entscheidend: Ein Partikelfilter hält den Schweißrauch zurück, schützt aber nicht automatisch vor gasförmigen Belastungen.

Die IARC stuft Schweißrauch als für Menschen krebserzeugend ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Schweißarbeit dasselbe Risiko verursacht. Zusammensetzung, Konzentration und Dauer der Exposition sowie die vorhandenen Schutzmaßnahmen beeinflussen das tatsächliche Risiko.

Wenig Rauch heißt nicht wenig Belastung Beim WIG-Schweißen kann beispielsweise Ozon relevant sein, während MSG-Verfahren je nach Parametern deutlich mehr Rauch erzeugen können.

2. Welche Faktoren entscheiden über den richtigen Atemschutz beim Schweißen?

Die Auswahl beginnt mit der Gefährdungsbeurteilung der konkreten Tätigkeit. Neben dem Schweißverfahren müssen die entstehenden Stoffe, ihre Konzentration im Atembereich und die Dauer der Exposition berücksichtigt werden. Diese sechs Punkte fließen gemeinsam ein:

  • Werkstoffe und Beschichtungen: Grund- und Zusatzwerkstoffe sowie vorhandene Beschichtungen
  • Stoffform: ob Partikel, Gase oder Dämpfe entstehen
  • Dauer und Häufigkeit der Schweißarbeiten
  • Arbeitsumgebung: Werkstatt, Freiluft, Behälter oder andere enge Bereiche
  • Schweißrauchabsaugung: wie wirksam und wie gut positioniert sie ist
  • Kombination mit der übrigen PSA: Schweißhelm, Brille und weitere Schutzausrüstung
Wann filternde Geräte ausscheiden Besteht möglicherweise Sauerstoffmangel oder sind Stoffe beziehungsweise Konzentrationen unbekannt, scheiden filternde Atemschutzgeräte grundsätzlich aus.

Der passende Schweißer-Atemschutz ergibt sich aus der tatsächlichen Exposition und den Arbeitsbedingungen, nicht aus einer pauschalen Empfehlung für MIG/MAG, WIG oder E-Hand.

3. Atemschutzmaske, Schweißhelm mit Atemschutz oder Frischluftsystem – welche Lösungen gibt es?

Grundsätzlich kommen drei Systeme infrage. Sie unterscheiden sich vor allem darin, woher die Atemluft stammt und wie sie in den Atembereich gelangt.

Bei der Atemschutzmaske mit Filter stammt die Atemluft aus der unmittelbaren Umgebung. Sie wird durch einen Filter gezogen und gelangt von dort in den Atembereich; den nötigen Luftstrom erzeugt die Trägerin oder der Träger allein durch die eigene Atmung. Geschützt wird je nach Ausführung gegen Partikel und mit geeigneten Filtern auch gegen bestimmte Gase oder Dämpfe. Die Schutzwirkung steht und fällt dabei mit dem Dichtsitz: Was an der Maske vorbeiströmt, wird nicht gefiltert.

Der Schweißhelm mit Gebläse arbeitet nach demselben Prinzip, nimmt die Atemarbeit aber ab. Ein Gebläse zieht die Umgebungsluft durch den Filter und führt sie in den Helm, wo ein leichter Überdruck entsteht. Damit sind Atemwege, Augen und Gesicht in einem System geschützt – gerade bei längeren Arbeiten ist das deutlich praxisnäher als eine zusätzliche Maske unter dem Helm, weil die Belastung durch Atemwiderstand und Wärmestau geringer ausfällt.

Ein System mit zugeführter Atemluft ist dagegen nicht auf die Luft am Arbeitsplatz angewiesen. Die Atemluft kommt aus einer externen Quelle und wird dem Atembereich zugeführt. Solche Systeme schützen auch dort, wo filternde Lösungen nicht ausreichen oder nicht zulässig sind – etwa bei sehr hohen Schadstoffkonzentrationen, bei Sauerstoffmangel oder in engen Räumen und Behältern.

Filter und Maskenkörper müssen zur jeweiligen Gefährdung passen. Die Unterschiede zwischen FFP-Masken, P-Filtern sowie Gas- und Kombinationsfiltern und Hinweise zum korrekten Dichtsitz erklärt der separate Wissensartikel Atemschutz-Filterklassen erklärt.

Gefilterte Umgebungsluft Zugeführte Atemluft

Der häufig verwendete Begriff „Frischluft-Schweißhelm“ ist deshalb technisch nicht eindeutig. Ein Gebläsehelm führt keine unabhängige Frischluft zu, sondern filtert die vorhandene Umgebungsluft. Für die Schutzwirkung macht dieser Unterschied viel aus.

4. Welche Atemschutzlösung passt zu welcher Schweißsituation?

Die folgende Orientierung führt in zwei Schritten durch drei typische Ausgangssituationen: Situation wählen, Einordnung lesen. Die tatsächliche Auswahl ergibt sich weiterhin aus der Gefährdungsbeurteilung.

Nur Partikel, Bedingungen bekannt Ein geeignetes Filtersystem kann grundsätzlich infrage kommen.
Längere Schweißarbeiten Gebläseunterstützung kann wegen des geringeren Atemwiderstands und der Kombination mit dem Schweißhelm praktischer sein.
Atmosphäre nicht sicher beurteilbar Filternde Systeme scheiden aus. Zuerst die Atmosphäre beurteilen; je nach Ergebnis kann zugeführte Atemluft erforderlich sein.

5. Verzinkten Stahl schweißen und andere besondere Belastungssituationen

Manche Werkstoffe und Oberflächen verändern die Belastung deutlich. Die Atemschutzlösung muss deshalb auf die tatsächlich auftretende Stoffbelastung abgestimmt werden.

Verzinkter Stahl

Beim Schweißen von verzinktem Stahl kann die Zinkschicht verdampfen und als feiner Zinkoxidrauch in die Atemluft gelangen. Eine hohe Exposition kann Metallrauchfieber auslösen, das sich unter anderem durch grippeähnliche Beschwerden, Fieber, Schüttelfrost oder Husten äußern kann. Bei der Auswahl sind die tatsächliche Exposition sowie mögliche weitere Beschichtungen oder Verunreinigungen zu berücksichtigen.

Hochlegierte und nichtrostende Stähle

Hier können Chrom- und Nickelverbindungen relevant sein, bei bestimmten Verfahren zusätzlich Ozon. Partikuläre und mögliche gasförmige Belastungen sind deshalb gemeinsam zu beurteilen.

Beschichtungen und Rückstände

Lacke, Grundierungen, Öle oder andere Rückstände können weitere Gase, Dämpfe oder Partikel freisetzen. Sie gehören in die Gefährdungsbeurteilung einbezogen, auch wenn der Grundwerkstoff selbst unkritisch erscheint.

„P3 reicht“ ist keine fachgerechte Aussage Auch beim verzinkten Stahl sind die tatsächliche Exposition, eine wirksame Erfassung an der Entstehungsstelle und mögliche zusätzliche Beschichtungen oder Verunreinigungen zu berücksichtigen.

6. Atemschutz ist Teil eines umfassenden Schutzkonzepts beim Schweißen

Atemschutz steht beim Schweißen nicht an erster Stelle der Schutzmaßnahmen. Nach der österreichischen Maßnahmenhierarchie gilt eine feste Reihenfolge. An erster Stelle steht das Vermeiden: Gefahren sollen möglichst gar nicht entstehen, etwa durch emissionsarme Verfahren. An zweiter Stelle folgt das Reduzieren an der Quelle durch eine wirksame Schweißrauchabsaugung und eine geeignete Lüftung. Erst an dritter Stelle wird Atemschutz ergänzt – nämlich dann, wenn sich die verbleibende Exposition nicht ausreichend reduzieren lässt.

Eine Atemschutzmaske oder ein gebläseunterstützter Schweißhelm schützt nur die Person, die das System trägt. Eine Quellabsaugung erfasst Schweißrauch dagegen möglichst nahe am Entstehungsort und reduziert damit auch die Belastung im Arbeitsbereich. Je nach Anwendung können Absaugung und Atemschutz gleichzeitig erforderlich sein.

Holzer ASS® deckt beide Bereiche ab: Lösungen zur Schweißrauchabsaugung ebenso wie unterschiedliche Atemschutzsysteme für Schweißarbeiten. Welche Kombination sinnvoll ist, richtet sich nach der Gefährdungsbeurteilung und den Bedingungen am jeweiligen Arbeitsplatz.

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