Atemschutz-Filterklassen erklärt: Welcher Filter schützt vor welchem Stoff?
Bei Atemschutz entscheidet nicht allein die Filterklasse darüber, ob ein ausreichender Schutz besteht. Zuerst muss geklärt werden, ob am Arbeitsplatz Partikel, Gase und Dämpfe oder eine Kombination daraus auftreten. Begriffe wie P3, FFP3 oder ABEK beschreiben unterschiedliche Filter beziehungsweise Atemschutzgeräte und dürfen daher nicht gleichgesetzt werden.
Zusätzlich beeinflussen der verwendete Atemanschluss, die Passform, die Schadstoffkonzentration und die Einsatzbedingungen die tatsächliche Schutzwirkung. Dieser Artikel ordnet die verschiedenen Atemschutzfilter ein und zeigt, welche Kennzeichnungen für Partikel, Gase und Dämpfe relevant sind und wo die Filterklasse allein für die Auswahl nicht ausreicht.
1. Atemschutzfilter richtig einordnen: Partikelfilter, Gasfilter und Kombinationsfilter
Am Anfang jeder Filterauswahl steht eine einzige Frage: Welche Belastung liegt überhaupt vor? Treten ausschließlich Partikel auf – also Staub, Rauch, Fasern oder Tröpfchen –, führt der Weg zu einem Partikelfilter und damit zur passenden P-Klasse. Geht es um gasförmige Gefahrstoffe, ist der richtige Gasfiltertyp zu bestimmen. Treten beide Belastungsarten gleichzeitig auf, kommt ein Kombinationsfilter infrage. Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lohnt sich der Blick auf Filterklasse, Atemanschluss, Konzentration und Einsatzbedingungen.
Entsprechend lassen sich Atemschutzfilter in drei Gruppen einteilen. Partikelfilter halten feste und flüssige Aerosole zurück, beispielsweise Staub, Rauch, Fasern oder Tröpfchen. Gasfilter sind für bestimmte Gase und Dämpfe vorgesehen; welche Stoffgruppen erfasst werden, wird über Filtertyp, Kennbuchstaben und Kennfarbe angegeben. Kombinationsfilter verbinden beide Funktionen miteinander und kommen zum Einsatz, wenn Partikel und Gase gemeinsam auftreten.
Welche Filterfunktion vorgesehen ist, lässt sich an Buchstaben, Zahlen und Kennfarben erkennen. Partikelfilter tragen beispielsweise die Kennfarbe Weiß; Gasfilter besitzen je nach Stoffgruppe unterschiedliche Farb- und Buchstabenkennzeichnungen. Diese Kennzeichnung beschreibt allerdings nur die geprüfte Filterfunktion. Sie sagt nicht aus, dass ein bestimmter Filter für jede Arbeitssituation geeignet ist. Für die Auswahl müssen Art und Konzentration der Gefahrstoffe sowie die Einsatzbedingungen ausreichend bekannt sein – dieser Punkt zieht sich durch den gesamten Artikel.
2. P1, P2 und P3 erklärt: Welche Partikelfilterklasse wird wann eingesetzt?
Partikelfilter werden nach EN 143 in drei Klassen eingeteilt, die sich im Abscheidevermögen unterscheiden: P1 steht für ein geringes, P2 für ein mittleres und P3 für ein hohes Partikelabscheidevermögen. Eine höhere Filterklasse deckt bei gleicher Geräteart grundsätzlich auch den Anwendungsbereich der niedrigeren Klasse ab.
Die P-Klasse beschreibt allerdings nur den Partikelfilter selbst. Wie hoch der Schutz des vollständigen Atemschutzgeräts ausfällt, hängt zusätzlich vom verwendeten Atemanschluss ab. Eine Halbmaske bedeckt Mund und Nase, während eine Vollmaske zusätzlich den Augenbereich einschließt. Auch der dichte Sitz der Maske beeinflusst die Schutzwirkung: Was an der Dichtlinie vorbeiströmt, hat keinen Filter passiert – unabhängig davon, wie gut dieser Filter ist.
3. FFP2 oder FFP3? Unterschied zwischen FFP-Masken und P-Filtern
In der Praxis werden die Bezeichnungen P3 und FFP3 häufig synonym verwendet. Gemeint sind damit aber zwei verschiedene Dinge – und zwar nicht nur sprachlich, sondern auch in dem, was geprüft wurde:
P3-Filter FFP3-Maske
P3 bezeichnet einen austauschbaren Partikelfilter nach EN 143. Er ist für sich genommen noch kein Atemschutzgerät, sondern wird gemeinsam mit einer Halb- oder Vollmaske verwendet. Geprüft und bewertet wird dabei die Leistung des Filters.
FFP3 bezeichnet dagegen eine vollständige filtrierende Halbmaske nach EN 149. Hier bilden Filtermaterial und Maskenkörper eine Einheit, und bewertet werden Filterleistung und Gesamtleckage des Geräts gemeinsam – also auch das, was an der Dichtlinie vorbeiströmt. Deshalb lassen sich die beiden Kennzeichnungen nicht gegeneinander austauschen: P3 beschreibt einen Filter, FFP3 ein komplettes Gerät.
4. Gas- und Kombinationsfilter: A, B, E, K, ABEK und A2P3 verstehen
Gasfilter werden nach EN 14387 durch Buchstaben und Kennfarben bestimmten Stoffgruppen zugeordnet. Die Kennfarbe ist dabei kein Beiwerk, sondern die schnellste Kontrolle direkt am Filter:
Hinter dem Buchstaben steht eine Zahl, und diese beschreibt die Aufnahmekapazität des Filters: Klasse 1 steht für gering, Klasse 2 für mittel und Klasse 3 für hoch. Mehrbereichsfilter fassen mehrere Buchstaben zusammen, Kombinationsfilter ergänzen den Gasfilter zusätzlich um einen Partikelfilter. Aus diesen drei Bausteinen setzt sich jede Bezeichnung zusammen – wer das Prinzip einmal kennt, kann auch unbekannte Kennzeichnungen lesen.
1 · Bezeichnung wählen
Welche dieser vier Bezeichnungen möchten Sie entschlüsseln? Tippen oder klicken Sie darauf – die Bestandteile erscheinen darunter in Schritt 2.
2 · Bestandteile der Bezeichnung
Wählen Sie oben eine Bezeichnung aus.
Wichtig: Die Bezeichnung beschreibt die geprüfte Filterfunktion, nicht die Eignung für einen bestimmten Arbeitsplatz.
| Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| A2 | Gasfilter Typ A mit mittlerer Aufnahmekapazität |
| ABEK2 | Mehrbereichsfilter: die Typen A, B, E und K in Klasse 2 |
| A2P3 | Kombinationsfilter: Gasfilter A2 ergänzt um einen P3-Partikelfilter |
| ABEK2P3 | Kombinationsfilter: Mehrbereichsfilter ABEK2 ergänzt um einen P3-Partikelfilter |
5. Atemschutz bei Asbest: Warum die Filterklasse allein nicht ausreicht
Asbestfasern werden über Partikelfilter zurückgehalten. Deshalb spielen P3-Filter beziehungsweise FFP3-Masken bei Asbest eine wichtige Rolle. Trotzdem beantwortet die Angabe „P3“ oder „FFP3“ allein noch nicht, welcher Atemschutz für eine konkrete Asbestarbeit ausreichend ist.
Dafür sind drei weitere Punkte maßgeblich. Erstens die Tätigkeit selbst: Es macht einen Unterschied, ob Material lediglich bewegt oder ob es bearbeitet und dabei aufgeschlossen wird. Zweitens die zu erwartende Exposition, also die Faserkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz. Und drittens das Atemschutzsystem als Ganzes, bei dem neben dem Filter auch Atemanschluss und Einsatzdauer zu berücksichtigen sind – ein filtrierendes Gerät, das über Stunden getragen werden muss, stellt andere Anforderungen als ein kurzer Einsatz.
Atemschutz ist bei Asbest außerdem nur ein Teil des Schutzkonzepts. Er steht am Ende einer Kette aus technischen und organisatorischen Maßnahmen, die gemeinsam betrachtet werden müssen: staubarme Arbeitsverfahren, Abschottung des Arbeitsbereichs, Absaugung, gründliche Reinigung und die Unterweisung der Beschäftigten. Für Deutschland gelten ergänzend eigene Vorgaben, insbesondere die TRGS 519.
6. Normen, Gebläseatemschutz und deutsche Regelwerke richtig einordnen
Für Atemschutz gelten unterschiedliche Normen, je nachdem, ob einzelne Filter oder vollständige Atemschutzgeräte betrachtet werden. Die folgende Übersicht zeigt, welche Norm wofür gilt und welche Klassenbezeichnungen jeweils dazugehören:
| Norm | Gilt für | Klassen |
|---|---|---|
| EN 143 | Partikelfilter | P1, P2, P3 |
| EN 149 | filtrierende Halbmasken | FFP1, FFP2, FFP3 |
| EN 14387 | Gas- und Kombinationsfilter sowie deren Anforderungen und Kennzeichnung | Typ und Kapazitätsklasse, etwa A2 |
| EN 12941 | Gebläseatemschutzgeräte mit Helm oder Haube | TH1, TH2, TH3 |
| EN 12942 | Gebläseatemschutzgeräte mit Voll-, Halb- oder Viertelmaske | TM1, TM2, TM3 |
TH- und TM-Klassen beschreiben die Schutzklasse des vollständigen Atemschutzgeräts und dürfen nicht mit den Partikelfilterklassen P1, P2 oder P3 gleichgesetzt werden.
Ergänzung für Deutschland
Zusätzlich zu den europäischen Normen gelten in Deutschland eigene technische Regeln und Vorgaben. Diese sind nicht auf Österreich übertragbar.
- DGUV Regel 112-190: Auswahl, Anpassung, Benutzung und Wartung von Atemschutzgeräten
- TRGS 519: Schutzmaßnahmen bei Arbeiten mit Asbest
- TRGS 528: Gefahrstoffe bei schweißtechnischen Arbeiten
- TRGS 559: Tätigkeiten mit quarzhaltigem mineralischem Staub
- TRGS 900: Arbeitsplatzgrenzwerte für Gefahrstoffe
Holzer ASS®: Atemschutz passend zur Anwendung auswählen
Ausgangspunkt für die Auswahl des Atemschutzes sind die vorhandenen Gefahrstoffe, ihre Konzentration und die jeweiligen Einsatzbedingungen. Daraus ergibt sich, welche Kombination aus Filtertyp, Filterklasse und Atemanschluss für die Anwendung erforderlich ist. Holzer ASS® bietet im Bereich Arbeitsschutz verschiedene Atemschutzlösungen, darunter klassische und gebläseunterstützte Systeme. Die Auswahl orientiert sich dabei an der konkreten Belastung und den Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes.