Atemschutz für Handwerk und Industrie
Atemschutz im Handwerk und in der Industrie lässt sich nicht sinnvoll allein nach der Tätigkeit auswählen. Beim Lackieren entstehen andere Belastungen als beim Schleifen, bei Strahlarbeiten oder bei der Verarbeitung von Epoxidharz. Entscheidend ist, welche Stoffe tatsächlich freigesetzt werden, in welcher Form sie vorliegen und wie hoch die Exposition am Arbeitsplatz ist.
1. Welche Atemschutzmaske für welche Tätigkeit? Die Belastung entscheidet
Grundsätzlich gibt es keine Atemschutzmaske, die sich allein aufgrund einer Tätigkeit pauschal festlegen lässt. Für die Auswahl ist entscheidend, welche Stoffe tatsächlich freigesetzt werden und ob sie als Partikel, Aerosole, Gase, Dämpfe oder Mischbelastung auftreten. Auch Konzentration, Arbeitsdauer, räumliche Bedingungen und vorhandene technische Schutzmaßnahmen müssen berücksichtigt werden.
Atemschutz steht dabei nicht am Anfang der Schutzmaßnahmen. An erster Stelle steht das Vermeiden: Gefahren sollen möglichst gar nicht entstehen. An zweiter Stelle folgt das Reduzieren an der Quelle, zum Beispiel durch Einhausung, Absaugung oder Lüftung. Danach wird die Restgefährdung beurteilt – erst sie bestimmt, welcher Atemschutz erforderlich sein kann.
In vielen Fällen lohnt es sich deshalb, zuerst die technische Lösung zu verbessern, statt gleich zur Maske zu greifen.
2. Welche Atemschutzmaske beim Lackieren, bei Malerarbeiten und Airbrush?
Beim Lackieren hängt der Atemschutz vom eingesetzten Produkt und Verfahren ab. Beim Spritzlackieren und bei Airbrush entsteht feiner Lacknebel; zusätzlich können Lösemitteldämpfe oder reaktive Bestandteile auftreten. Damit liegen zwei Belastungsarten gleichzeitig vor, die unterschiedlich behandelt werden müssen.
FFP2- oder FFP3-Masken schützen gegen Partikel beziehungsweise Aerosole, nicht jedoch gegen Lösemitteldämpfe. Welche Atemschutzlösung erforderlich ist, richtet sich nach den vorhandenen Stoffen, ihrer Konzentration und dem benötigten Schutzumfang. Die Unterschiede zwischen FFP-, P-, Gas- und Kombinationsfiltern werden im separaten Wissensartikel zu den Filterklassen erklärt.
Reaktive 2K-Systeme als Sonderfall
Besondere Anforderungen können bei reaktiven 2K-Systemen entstehen. Isocyanathaltige Spritzlacke können die Atemwege sensibilisieren; hier kann zugeführte Atemluft erforderlich sein. Maßgeblich sind die Gefährdungsbeurteilung, das Sicherheitsdatenblatt und eine wirksame technische Erfassung.
3. Atemschutz beim Schleifen, bei Holzstaub und auf der Baustelle
Beim Schleifen, Sägen oder Drechseln entstehen überwiegend partikelförmige Belastungen. Woraus der Staub besteht und wie gefährlich er ist, unterscheidet sich jedoch erheblich. Die folgende Übersicht stellt die drei häufigsten Fälle nebeneinander:
| Tätigkeit | Typische Belastung | Besonders beachten |
|---|---|---|
| Holzbearbeitung | Holzstaub, der die Atemwege reizen und sensibilisieren kann; bestimmte Holzstäube sind krebserzeugend | Holzart, Bearbeitungsverfahren und eine wirksame Maschinenabsaugung, die Vorrang vor zusätzlichem Atemschutz hat |
| Schleifen von Metall | Metall- und Metalloxidpartikel sowie Bestandteile aus Beschichtungen oder Korrosionsschutz | Bei unbekannten Altanstrichen reicht „Metallstaub“ als Einordnung nicht aus. |
| Beton, Stein und Mörtel | hohe Staubkonzentrationen, insbesondere Quarzfeinstaub, der Silikose und Lungenkrebs verursachen kann | Nassbearbeitung, werkzeugintegrierte Absaugung und staubarme Reinigung |
Gemeinsam ist allen drei Fällen, dass die technische Erfassung an der Maschine oder am Werkzeug der wirksamste Hebel bleibt. Atemschutz ergänzt sie, ersetzt sie aber nicht.
4. Atemschutz bei Dämmstoffen, Strahlarbeiten und Schimmelsanierung
Bei Glaswolle, Steinwolle und anderen Mineralwollen können beim Schneiden, Ausbau oder bei Überkopfarbeiten Fasern und Staub freigesetzt werden. Wie hoch die Belastung ist, hängt unter anderem von Materialalter, Zustand und Bearbeitungsverfahren ab. Gerade bei älteren oder unbekannten Dämmstoffen sollte die Materialart vorab geklärt werden.
Strahlarbeiten stellen deutlich höhere Anforderungen
Beim Strahlen entstehen große Mengen feiner Partikel aus Strahlmittel, Werkstück und vorhandenen Beschichtungen. Bei Freistrahlarbeiten ist deshalb regelmäßig ein spezieller Strahlhelm mit zugeführter Atemluft zu prüfen.
Eine einfache Staubmaske reicht nicht aus.
Schimmelsanierung
Bei der Schimmelsanierung können Sporen, Zellfragmente, belasteter Staub und weitere biologische Bestandteile freigesetzt werden. Welche Schutzstufe erforderlich ist, richtet sich nach Umfang der Sanierung, Staubentwicklung und möglicher Zusatzkontamination. FFP3 kann Teil eines Schutzkonzepts sein; bei umfangreichen oder stark staubenden Arbeiten können jedoch weitergehende Schutzmaßnahmen und höherwertige Atemschutzsysteme erforderlich sein.
5. Atemschutz bei Pflanzenschutz, Chemie, Epoxidharz und Kunststoffen
Bei Pflanzenschutzmitteln richtet sich der Atemschutz nach dem konkreten Produkt und der Anwendung. Beim Anmischen, Spritzen oder Reinigen können Stäube, Aerosole oder Dämpfe auftreten. Maßgeblich sind Zulassung, Etikett und Sicherheitsdatenblatt.
Im Labor oder bei chemischen Arbeiten können je nach Stoff Gase, Dämpfe, Aerosole oder Partikel relevant sein. Technische Maßnahmen wie Abzug, geschlossene Apparatur oder Einhausung haben Vorrang; Atemschutz ist vor allem für klar definierte Sonderfälle zu prüfen.
Epoxidharz, Resin und GFK: Verarbeitung und Nachbearbeitung trennen
Bei Epoxidharz, Resin und GFK muss zwischen Verarbeitung und Nachbearbeitung unterschieden werden. Flüssige Systeme können flüchtige oder reaktive Bestandteile enthalten, während beim Schleifen ausgehärteter Materialien vor allem Staub und Fasern entstehen. Derselbe Werkstoff verursacht also je nach Arbeitsschritt ganz unterschiedliche Belastungen. Welche Atemschutzlösung geeignet ist, hängt vom vollständigen Produktsystem und dem jeweiligen Arbeitsschritt ab.
6. Von der Tätigkeit zur passenden Atemschutzlösung
Vor der Auswahl sollten fünf Fragen geklärt sein. Sie bauen aufeinander auf – von den entstehenden Stoffen bis zur Art des Atemschutzes.
- Stoffe bestimmen Welche Stoffe entstehen bei der Tätigkeit?
- Belastungsart bestimmen Partikel, Aerosole, Gase, Dämpfe oder Mischbelastung?
- Technische Maßnahmen bewerten Welche Schutzmaßnahmen reduzieren die Exposition bereits?
- Exposition bewerten Dauer und Arbeitsbedingungen berücksichtigen.
- Atemschutzart festlegen Filternd, gebläseunterstützt oder zugeführte Atemluft?
Erst danach lässt sich beurteilen, welche Atemschutzmaske beziehungsweise welches System zur Tätigkeit passt. Weiterführend erklären drei eigene Wissensartikel die Details: die Filterklassen und ihre Einsatzbereiche, die Auswahl des Atemschutzes beim Schweißen sowie den Gebläseatemschutz am Praxisbeispiel Optrel Swiss Air.
Holzer ASS® ordnet Atemschutzlösungen für unterschiedliche industrielle und handwerkliche Anwendungen ein. Maßgeblich bleibt dabei die konkrete Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes.