Gebläseatemschutz Swiss Air als Praxisbeispiel: Funktionsweise, Schutzklassen und Einsatzgebiete
Bei Schweiß-, Schleif- und anderen Arbeiten in der Metallverarbeitung können luftgetragene Schadstoffe entstehen, gegen die je nach Gefährdung geeigneter Atemschutz erforderlich ist. Eine Möglichkeit sind Gebläseatemschutzsysteme, die gefilterte Umgebungsluft aktiv zum Atembereich fördern.
In der Praxis unterscheiden sich solche Systeme hinsichtlich Atemanschluss, Filterung und Schutzklasse. Das Optrel Swiss Air dient in diesem Artikel als Praxisbeispiel, um die Funktionsweise eines Gebläsefiltergeräts, die Einordnung von Schutzklassen sowie Fragen zu Bart, Brille und typischen Einsatzgebieten verständlich zu erklären.
1. Wie funktioniert Gebläseatemschutz?
Ein Gebläsefiltergerät saugt mit einem batteriebetriebenen Gebläse Umgebungsluft an und führt sie durch einen geeigneten Partikel-, Gas- oder Kombinationsfilter. Der Weg der Luft lässt sich in vier Schritten beschreiben:
- Ansaugen Ein batteriebetriebenes Gebläse zieht Umgebungsluft an.
- Filtern Die Luft passiert einen geeigneten Partikel-, Gas- oder Kombinationsfilter.
- Fördern Die gereinigte Luft gelangt direkt oder über einen Atemschlauch weiter.
- Atemanschluss Sie tritt an einer dicht anliegenden Maske oder einer locker anliegenden Haube aus.
International wird für diese Geräte häufig die Bezeichnung PAPR verwendet, kurz für „Powered Air Purifying Respirator“. Anders als bei einer passiven filtrierenden Halbmaske muss die Atemluft nicht allein durch die Einatmung durch das Filtermedium gezogen werden. Der geregelte Luftstrom kann den Einatemwiderstand reduzieren und den Tragekomfort bei längeren oder körperlich belastenden Tätigkeiten verbessern. Bei locker anliegenden Atemanschlüssen trägt die kontinuierliche Zufuhr gereinigter Luft außerdem dazu bei, das Eindringen belasteter Umgebungsluft in den Atembereich zu begrenzen.
2. Optrel Swiss Air als Praxisbeispiel für ein Gebläseatemschutzsystem
Beim Optrel Swiss Air sitzt die Gebläseeinheit auf einer Schultertrageeinheit am Rücken. Die gefilterte Luft wird über ein Schlauchsystem zum Atemanschluss vor Mund und Nase geführt. Kopf-, Augen- oder Schweißschutz können je nach Tätigkeit zusätzlich getragen werden, sofern die Kombination die Funktion des Atemschutzsystems nicht beeinträchtigt.
Das System besteht aus drei Teilen, die den Weg der Luft vorgeben. Die Gebläseeinheit wird körpernah am Rücken getragen und saugt dort die Umgebungsluft an. Von ihr führt ein Schlauchsystem die bereits gefilterte Luft nach vorne. Am Atemanschluss tritt sie schließlich im Bereich vor Mund und Nase aus. Weil die Einheit am Rücken sitzt, bleibt das Gewicht vom Kopf weg – ein Punkt, der sich bei längeren Arbeiten deutlich bemerkbar macht.
Der geregelte Luftstrom bestimmt mit, wie viel gefilterte Luft am Atemanschluss ankommt. Optrel nennt für die europäische Ausführung drei Stufen als Mindestwerte:
Für Swiss Air stehen zwei Atemanschlüsse zur Verfügung: eine als Loose Fit ausgeführte Textilmaske und eine dicht anliegende Tight-Fit-Silikonhalbmaske. Sie unterscheiden sich beim Dichtsitz und bei der normativen Einordnung – der nächste Abschnitt zeigt, was das für die Schutzklasse bedeutet.
3. Schutzklassen bei Gebläseatemschutz: Wie lässt sich Swiss Air einordnen?
Die Schutzklasse hängt beim Optrel Swiss Air nicht am Gebläse, sondern an der verwendeten Konfiguration – genauer gesagt daran, welcher Atemanschluss zum Einsatz kommt. Die beiden verfügbaren Anschlüsse fallen deshalb unter zwei verschiedene Normen.
Die Loose-Fit-Textilmaske liegt locker an und ist in der Einstufung TH3 nach EN 12941 erfasst. Sie ist nicht auf eine hautdichte Dichtlinie angewiesen; Optrel sieht sie ausdrücklich auch für Bartträger vor, sofern die Maske korrekt sitzt und die Luftführung nicht beeinträchtigt wird.
Die Tight-Fit-Silikonhalbmaske liegt dicht an und wird nach EN 12942 als TM3 eingestuft. Hier ist ein korrekter Dichtsitz Voraussetzung für die Schutzwirkung: Gesichtsbehaarung kann die Dichtlinie unterbrechen und den Schutz damit beeinträchtigen. Dass TM3 und TH3 beide die höchste Klasse ihrer jeweiligen Norm bezeichnen, macht die Geräte also nicht austauschbar – die Bedingungen, unter denen die Klasse erreicht wird, sind unterschiedlich.
4. Gebläseatemschutz bei Bart und Brille: Was ist in der Praxis zu beachten?
Die Frage nach dem Bart ist der häufigste Grund, warum ein Atemschutzsystem im Betrieb nicht funktioniert – und beim Gebläseatemschutz zugleich der Punkt, an dem sich die beiden Atemanschlüsse am deutlichsten unterscheiden. Wer einen Bart trägt, kommt mit der Loose-Fit-Textilmaske weiter: Sie braucht keine hautdichte Dichtlinie und ist von Optrel ausdrücklich auch für Bartträger vorgesehen. Ist dagegen eine Tight-Fit-Maske vorgesehen, bleibt der korrekte Dichtsitz Bedingung, und Gesichtsbehaarung an der Dichtlinie steht dem entgegen. Eine „fast dichte“ Maske gibt es dabei nicht – entweder die Dichtlinie liegt auf der Haut auf oder sie tut es nicht.
Ähnlich zu betrachten ist alles, was zusätzlich getragen wird. Brille, Schweißhelm, Gehörschutz oder Kopfschutz sind jeweils für sich geprüft, nicht aber zwangsläufig in Kombination miteinander. Vor dem Einsatz ist deshalb zu prüfen, ob sich die einzelnen Teile der persönlichen Schutzausrüstung gegenseitig in ihrer Schutzwirkung beeinträchtigen – etwa wenn ein Brillenbügel die Dichtlinie einer Tight-Fit-Maske kreuzt oder ein Helm die Luftführung behindert.
5. Für welche Arbeiten und Einsatzgebiete eignet sich Gebläseatemschutz?
Gebläseatemschutz kommt in unterschiedlichen Arbeitsbereichen zum Einsatz. Entscheidend ist immer, welche Schadstoffe auftreten und welcher Filter dafür vorgesehen ist.
- Schweißen, Schleifen und Metallverarbeitung
- Bau- und Holzarbeiten
- Lackierarbeiten
- Landwirtschaft und Recycling
- bei unbekannter Schadstoffkonzentration
- bei möglichem Sauerstoffmangel
- bei unmittelbar gefährlicher Atmosphäre
Auch das Optrel Swiss Air ist für verschiedene Einsatzbereiche ausgelegt. Je nach Filterkonfiguration kann das System bei Arbeiten mit Partikeln sowie bei bestimmten Gasen und Dämpfen eingesetzt werden. Die konkrete Eignung hängt jedoch von Schadstoffart, Konzentration und Arbeitsumgebung ab. Bei den genannten Einsatzgrenzen helfen dagegen auch der beste Filter und der höchste Luftstrom nicht weiter: Dort sind von der Umgebungsluft unabhängige Atemschutzsysteme erforderlich.
6. Filter, Wartung und Systemgrenzen: Worauf kommt es beim Einsatz an?
Die Schutzwirkung eines Gebläseatemschutzsystems hängt nicht nur von seiner Schutzklasse ab. Vier Punkte tragen sie gemeinsam, und alle vier lassen sich im Alltag beeinflussen.
Der erste ist der richtige Filter. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Filter zum Einsatz; Vorfilter entlasten den Hauptfilter, ersetzen ihn aber nicht. Der zweite ist ein ausreichender Luftstrom. Das System überwacht unter anderem Luftstrom, Filterzustand und Akkuladung und warnt bei relevanten Abweichungen – diese Warnungen sind kein Hinweis zur Kenntnis, sondern ein Grund, die Arbeit zu unterbrechen.
Der dritte Punkt ist der Zustand der Komponenten: Filter, Schlauch, Akku und Atemanschluss gehören regelmäßig kontrolliert, beschädigte oder verschlissene Teile rechtzeitig ersetzt. Der vierte sind die Einsatzgrenzen des Systems. Nicht zugelassene Filterkombinationen, beschädigte Komponenten oder der Betrieb außerhalb der vorgesehenen Bedingungen können die Schutzwirkung beeinträchtigen – auch dann, wenn das Gerät äußerlich normal weiterläuft.